Gewerbeflächenkonferenz am 30.1.2013 - Kampfansage statt Konsens! Naturschützer sind über Nichtbeteiligung bestürzt

Industriegebiet bei Waldbröl
Industriegebiet bei Waldbröl

Am 30.1.2013 soll in der IHK in Gummersbach die sogenannte Gewerbeflächenkonferenz tagen, mit der der Kreis, seine Kommunen, die Arbeitgeber und Arbeitnehmer ihre Forderungen für mehr Gewerbe- und Industrieflächen im Oberbergischen formulieren wollen. Höhepunkt der Veranstaltung soll offenbar die Unterzeichnung einer „Charta Gewerbe- und Industrieflächen Oberberg“ sein, in der die Region ihre Forderungen erhebt.

 

Wer zu dieser Gewerbeflächenkonferenz eingeladen ist, wissen wir nicht. Wir können nur vermuten, dass die Bürgermeister die „Charta“ unterzeichnen sollen, um den Eindruck zu erwecken, es gebe einen regionalen Konsens. Diesem Eindruck, das im Oberbergischen ein Konsens über mehr Gewerbe- und Industrieflächen besteht, müssen wir deutlich widersprechen.

Weder die Naturschutzverbände, noch die Landwirtschaft wurden zu dieser Konferenz eingeladen. „Wir kennen weder den Text der Charta, noch wurde er mit uns diskutiert. Offenbar will man uns nicht dabei haben.“ vermutet Friedrich Schöbel vom BUND Oberberg. „Man hat wohl Angst, dass unsere Argumente den angeblichen Konsens stören könnten.“

 

Kreisverwaltung und IHK hatten die Naturschutzverbände im letzten Jahr zu einem Gespräch eingeladen. Die Naturschützer haben ihre Positionen deutlich gemacht:

  • Vor der Ausweisung neuen Baulandes muss die Nutzung von Baulücken und Gewerbebrachen liegen, von denen es noch große Flächen im Kreis gibt.
  • Wenn solche Baulücken nicht genutzt werden, müssen sich die Kommunen nach den Gründen und nach Gegenmaßnahmen fragen lassen, statt noch mehr neues Bauland zu fordern.
  • Solange im Südkreis große Gewerbeflächen brach liegen, solange kann keine Baulanderweiterung in den Nachbarkommunen stattfinden.

Die Gewebeflächenentwicklung im Oberbergischen ist aus Sicht der Naturschutzverbände an eine Grenze gekommen: Noch mehr Gewerbe- und Industrieflächen sind mit dem Landschaftsschutz unvereinbar. Daher müsse statt immer mehr Bauland nach neuen Ideen des Flächenrecyclings und des flächensparenden Bauens gesucht werden.

 

Bei einer Veranstaltung von Landwirten und Naturschützern im Oktober 2011 in Wiehl im Rahmen des 'Oberbergischen Landschaftstages' waren sich die Vertretern der Landwirtschaft, des Naturschutzes, der Bezirksregierung Köln, des Oberbergischen Kreises und mehrerer Kommunen noch darüber einig, dass es so nicht weiter gehen kann. Angesichts der neuesten Entwicklung müssen wir uns ernsthaft fragen, ob das damals nur Lippenbekenntnisse waren.

 

Die Naturschützer fürchten, dass Hunderte Hektare neues Gewerbe- und Industriebauland geplant werden sollen, die der Natur auf immer verloren gehen. „Wir können nicht tatenlos daneben stehen, wenn so ein Landschaftsfraß vorbereitet wird!“ sagt Friedrich Schöbel vom BUND Oberberg. „Wir finden es unerhört, dass wir nur auf Umwegen von der Konferenz erfahren.“

 

„Wir haben in der Vergangenheit die Erweiterung von Gewerbe- und Industriebetrieben nie torpediert, sondern selbst in ganz kritischen Situationen die Standortsicherung von Firmen mitgetragen.“ sagt Michael Gerhard vom NABU Oberberg. „Wenn der Lohn dafür jetzt ist, das man uns gar nicht mehr in Konferenzen einbindet, dann ist das kein Konsens sondern eine Kampfansage!“

 

Die Naturschützer fordern, dass bei der Konferenz keine Fakten geschaffen werden, sondern zunächst eine inhaltliche Diskussion stattfindet – natürlich unter Einbindung von Landwirtschaft und Naturschutz.

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