
NABU Oberberg zur Ordnungsverfügung der Bezirksregierung Köln zur Wiederherstellung von Durchgängigkeit und naturnaher Gewässerentwicklung an der Agger in Osberghausen
Die Bezirksregierung Köln handelt nach Recht und Gesetz!
Die Bezirksregierung Köln hat eine Verfügung erlassen, die das Ablassen der Aggerstaustufe Osberghausen verlangt.
Der Aggerverband hat das Staurecht in Osberghausen Ende vergangenen Jahres verloren, weil die Tierschutz-Bedingungen für die 2016 erteilte Stauerlaubnis, nämlich eine Fischaufstiegs- und Fischabstiegsanlage sowie eine Einschwimmsperre in den Turbinenkanal, nicht erfüllt wurden. Aggerverband und der Betreiber der Wasserkraftanlage, die bayrische Aggerkraftwerke GmbH &Co. KG, hatten sich nicht auf die nötigen Maßnahmen einigen können, vermutlich wegen der hohen Kosten für die nötigen Umbauten. Wird die Wasserkraft aufgegeben, so ist der Betreiber in der Pflicht, die Anlage zurückzubauen. Dies sieht das Wasserhaushaltsgesetz aus gutem Grund vor. Jede Stauanlage ist eine Belastung für ein Fließgewässer, weil sie die Durchgängigkeit für Organismen und Sedimente und somit den Lebensraum beeinträchtigt. Stauanlagen dürfen also bundesweit nur betrieben werden, wenn die gesetzlichen Auflagen also Mindestwasserführung, Durchgängigkeit und Fischschutz beachtet werden.

Bei Aggerstau Osberghausen war das wohl nicht wirtschaftlich machbar, denn die Kosten für Durchgängigkeit und Fischschutz wären enorm. Und zudem würde der Energiegewinn bei Umsetzung der Schutzmaßnahmen zukünftig deutlich schrumpfen.
Die Bezirksregierung Köln hat die Rechts- und Sachlage in ihrer 46-seitigen Ordnungsverfügung völlig korrekt dargestellt und setzt sie konsequent um.
Wie steht der NABU Oberberg dazu?
Dass der Stau Osberghausen schon im Frühjahr 2026 abgelassen wird, erwarten wir nicht, denn sehr wahrscheinlich hat die Brutzeit für die ersten Wasservögel bereits begonnen. Es wird daher auf ein langsames Ablassen im Spätsommer herauslaufen, das den Schutz von Fischen und Wasservögeln sicherstellt. Das Wasservogel-Biotop wird aber bis zum Ende des Jahres in der jetzigen Form verschwinden. Das schmerzt uns einerseits, denn für Enten, Blässrallen und Zwergtaucher war der Stau ein wertvoller Lebensraum.
Gleichzeitig wird dafür im Zuge der Renaturierung ein neuer Biotop entstehen, nämlich eine frei fließende Agger mit Kies- und Schlammbänken, Uferzonen, einem naturnahen Fluss und in einigen Jahren mit Auwäldern. Auch das wird ein enorm wertvoller Lebensraum sein mit großer Bedeutung für die Vogelwelt. Wir rechnen mit einer deutlichen Verbesserung der Lebensbedingungen für Wasseramsel, Eisvogel und Gebirgsstelze (Vogelarten der Fließgewässer) und mit einem Aufschwung für die Äsche, der typischen Fischart solcher Flüsse. Wir rechnen zukünftig auch mit Brutvorkommen von Flußregenpfeifern auf den neu entstehenden Kies- und Schlammbänken. Das zeigen vergleichbare Erfahrungen in Deutschland.
"Die Agger wird weiter ein wichtiger Lebensraum für Enten, Schwalben und Fledermäuse bleiben – nicht mehr mit den typischen Stillgewässerarten wie Reiherente, Höckerschwan, Kormoran und Zwergtaucher, aber dafür mit anderen Arten, die genauso wertvoll sind. „Insgesamt erwarten wir eine Explosion der Artenvielfalt in der renaturierten Aggeraue und vielleicht stellen sich ja über die Jahre Arten ein, die man heute noch gar nicht absehen kann.“ sagt Claus Wittke vom NABU Oberberg.
Der NABU Oberberg sieht den kommenden Abstau also mit einem lachenden und mit einem weinenden Auge.
Eines aber steht für uns fest: Man kann die gesetzlichen Vorgaben zum Schutz von Fischen und Flüssen nicht jahrelang ignorieren wollen. Das ist an der Agger – nicht nur bei Osberghausen – lange Jahre geschehen, obwohl viele Experten eine vernünftige Planung eingefordert hatten. Nun kommt mit der Ordnungsverfügung aus Köln eine Entscheidung, die all die jahrelangen Zauderer zu überraschen scheint, aber völlig korrekt ist.
Der Aggerverband sollte jetzt zügig an die Arbeit gehen und den Rückbau des Staus und die naturnahe Gewässerentwicklung im Detail planen. Vielleicht könnte eine gute Planung dann auch noch kleinere Stillgewässer in der Aue bringen zum Vorteil von Amphibien und Wasservögeln. „Jetzt „auf Stur“ zu schalten und Krokodilstränen zu vergießen hilft jedenfalls nicht weiter.“ so Michael Gerhard vom NABU Oberberg.
Maßnahmen, die der Wiederherstellung von Auen dienen, werden mit bis zu 80% vom Land gefördert. Im aktuellen Entwurf der Landeswasserstrategie heißt es dazu: "Naturnahe, an ihre Aue angebundene , dynamische Fließgewässer ohne künstlichen Rück- und Aufstau haben die bestmögliche Klimaresilienz." Genau das sollte der Ansatz für den Aggerverband sein, um das Optimale für Mensch und Natur an der Osberghausener Agger herauszuholen.

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Dieter Orbach (Montag, 16 März 2026 20:20)
Zu ihrem Artikel gebe ich folgendes zu bedenken:
Bei der Darstellung, welche Tiere wichtig sind, fällt mir die Entscheidung schwer.
Die Tiere im jetzigen Stauweiher halte ich für unterstützenswert. Die übrigen Arten ebenfalls, sofern das Wasser abgelassen wird. Alle Argumente haben ihre Berechtigung.
Aber ein wesentlicher Punkt fehlt mir: die Bedeutung der Wasserkraft zur Stromproduktion.
Meine Begründung:
Im Oberbergischen gibt es sehr viel Niederschlag. Schon unsere Vorfahren haben durch Wasserkraft Energie gewonnen, insbesondere aus den Flüssen Agger, Leppe und Sülz. Damals wurden hierzulande keine großen Windmühlen wie im Flachland oder an der Küste errichtet.
Heutzutage fallen vermehrt sehr große Windräder auf. Die Windkraftanlagen stören erheblich die Natur, die Landschaft und die Menschen.
Wir sollten in unserer Region vermehrt Wasserkraft nutzen und diese mit Wasser-Wärmepumpen koppeln (2) (3), um umliegende Orte mit Strom und Wärme zu versorgen. Das würde das Flusswasser abkühlen (Potenzial ca. 2 Grad), mehr Sauerstoff für Fische schaffen und sich besser in das Landschaftsbild integrieren.
In naher Zukunft wird sich der Strombedarf in den fünf Wintermonaten verdoppeln. Wärmepumpenheizungen und zunehmende Elektromobilität erhöhen erheblich den Strombedarf. Im Winter fehlt die Sonne und der Wind weht, wann er will. Wer soll dann den Strom liefern? Gaskraftwerke, jetzt im Gespräch kleine Atomkraftwerke oder sollen wir noch länger Braunkohle nutzen? Die keiner will!
Wir brauchen in unserer Region alle einschlägigen Möglichkeiten der Wasserkraft – modern, effizient (1) und mit Wärmepumpen verknüpft – gefördert durch passende Programme.
Ziel ist eine stabile, nachhaltige Energieversorgung mit möglichst geringem Einfluss auf Natur und Landschaft.
Literatur
1) Lit.: https://www.steinhoff-energie.de/joomla/index.php/die-projekte/15-projekt-bad-ems
2) https://www.borderstep.de/publikation/seidel-c-ostermann-l-clausen-j-2025-eine-einfuehrung-in-die-waermegewinnung-aus-flusswasser-berlin-borderstep-institut/
3) https://www.google.com/search?q=Gr%C3%BCne+Nah-+und+Fernw%C3%A4rme+aus+Flie%C3%9Fgew%C3%A4ssern+Untersuchung+f%C3%BCr+die+80+Gro%C3%9Fst%C3%A4dte+in+Deutschland&rlz=1C1CHBF_deDE878DE878&oq=Gr%C3%BCne+Nah-+und+Fernw%C3%A4rme+aus+Flie%C3%9Fgew%C3%A4ssern+Untersuchung+f%C3%BCr+die+80+Gro%C3%9Fst%C3%A4dte+in+Deutschland&gs_lcrp=EgZjaHJvbWUyBggAEEUYOdIBCTI1NTlqMGoxNagCCLACAfEFF9tk1d9oHOA&sourceid=chrome&ie=UTF-8
Heinz Kowalski (Sonntag, 19 April 2026 11:01)
Das mit der Explosion der Artenvielfalt ist ein frommer Wunsch, die Realität wird völlig anders sein. Und die Wasserrahmenrichtlinie sieht Bestandsschutz für Bestehendes vor, also besteht rechtlich alles kein Problem.