Trotz Hundenachweis in Oberagger

Bild: www.nabu.de
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NABU Oberberg plädiert für vernünftiges Miteinander von Nutztierhaltern und Naturschützern beim Thema „Wolf“

Zwei Angriffe auf Schafherden erregen derzeit die Gemüter. Nicht weil Schafe gerissen wurden – das wäre leider nicht das erste Mal – sondern, weil ein Wolf im Verdacht steht. Derzeit ist für den Fall in Oberagger klar, dass es ein Hund war. Wie auch immer: dass Schafe gerissen wurden, freut niemanden, am allerwenigsten den NABU, denn wir setzen natürlich auch auf Schafe in der Landschaftspflege und suchen seit Langem die Zusammenarbeit mit den Schafzuchtverbänden, der Landwirtschaft und den Jägern.

Dass jetzt Sorgen der Schäfer um ihre Tiere laut werden, ist verständlich. Das Oberbergische wäre in der Tat ein geeigneter Wolf-Lebensraum, denn Wölfe können in der Kulturlandschaft gut überleben. Auch wenn schließlich ein Hund die Schafe in Oberagger und Oberbierenbach gerissen hat, sollten wir uns auf den Wolf als oberbergisches Wildtier in einigen Jahren einstellen – vor allen Dingen die Tierhalter. Dazu ist ein Schutz der Herden nötig, an dem wir mit unseren Kräften mitwirken wollen. Und zwar mit und nicht gegen die Tierhalter! Dass das Mehraufwand bedeutet und die Kosten nicht von den Tierhaltern allein getragen werden können, ist völlig klar. Aber den Wolf zu skandalisieren bringt auf lange Sicht ebenso wenig, wie ihn zu leugnen. Fakt ist das wir keinen Einluss haben ob und wann der erste Wolf in Oberberg auftaucht. Schafhalter und Naturschützer sollten daher zusammenarbeiten, um ein Zusammenleben von Wolf und Nutztieren im Oberbergischen schon jetzt vorzubereiten. Der NABU möchte dabei mit seinen Mitteln helfen.

Genau dazu soll der Herdenschutzzaun dienen, den jeder Tierhalter ausleihen kann, nach einem Angriff auf seine Herde als erste Hilfe-Maßnahme - und zwar unabhängig davon, ob es sich um ein Problem mit einem Hund oder einem Wolf handelt.

 Uns ist klar: Nicht jeder Oberberger heißt den Wolf willkommen. Wir hatten auch nicht erwartet, dass Schafhalter sich über den möglichen „Prädator“ ihrer Tiere freuen. Aber bei der Wahrheit sollte man schon bleiben. Eine „Wolfsansiedlung“ gab und gibt es nicht in Deutschland! Weder vom NABU, noch von irgendjemand sonst! Wölfe haben Deutschland natürlich, von sich aus, aus Polen besiedelt und Jungwölfe suchen sich jetzt neue Reviere. Niemand hat da nachgeholfen, außer in der Verschwörungstheorie! Nur: Wir Oberberger müssen früher oder später planen, mit Wölfen umzugehen. Da sind die Tierhalter gefordert und wir sehen uns auch in der Pflicht als Naturschützer.

 Den Kindergärten bieten wir sachliche Aufklärung und Informationen an. Emotional geprägte Reaktionen wie das „nicht mehr in den Wald gehen“ sind verständlich, aber haben keinen realen Grund. Und natürlich ist eine ernsthafte finanzielle Entschädigung für nachweisliche Wolfs-Angriffe nötig, hier ist das Land gefragt einen angemessenen Wolfsmanagement-Plan zügig vorzulegen.

 All dies wird neu besprochen werden können und müssen, sobald die DNA-Testergebnisse vorliegen. Bis dahin wünschen wir uns schlicht Sachlichkeit und gegenseitigen Respekt und Wahrheit in der Argumentation zum Wolf!