Forensik Reichshof, Veröffentlichung Artenschutzgutachten - Reaktionen

Eingangsbereich ehem. Depot (HU)
Eingangsbereich ehem. Depot (HU)

Am 31. Januar veröffentlichte das Ministerium für Gesundheit die Ergebnisse der Untersuchung der Fledermausvorkommen und deren Bedeutung für den Bau der geplanten Forensik-Klinik im ehemaligen Munitionsdepot Reichshof. Zunächst einmal ist der NABU-Oberberg erfreut über die transparente Veröffentlichung des Gutachtens. Überhaupt war die Gutachten-Erstellung von guter fachlicher Kooperation gekennzeichnet, das erleben wir nicht oft.

geplanter Standort Forensik
geplanter Standort Forensik

Die Datenerhebung und deren Auswertung hält der NABU im Großen und Ganzen für ausreichend und korrekt. Die hohe Bedeutung der Laubwälder für Fledermäuse und damit unsere Erkenntnisse werden bestätigt. Die technischen Probleme (Stromversorgung und Lücken im Betrieb der Dauerhorchboxen) und weitere kleine Schwächen der Erhebung sind bedauerlich, ändern aber an der Gesamteinschätzung der Wertigkeit des Gebietes für Fledermäuse nichts: Der Bereich ist unstrittig wertvoll, weist etliche Fledermausarten auf und wird von Mai bis Oktober durchgehend von Fledermäusen genutzt (siehe Tabelle 4 auf S. 24 des Gutachtens). Eine an sich wünschenswerte durchgängige Dauererfassung würde an dieser Einschätzung nichts ändern. „Für Grundsatzkritik und Gutachter-Schelte sehen wir keinen Grund.“ so Christine Meyer-Cords vom NABU - Oberberg.

Gr. Mausohr ( Kolodzie)
Gr. Mausohr ( Kolodzie)

Bei der Bewertung der Folgen, die ein möglicher Bau der forensischen Klinik auf die besonders wichtigen Waldfledermäuse hätte, scheint uns aber noch erheblicher Klärungsbedarf zu bestehen. Dass Zwergfledermäuse an den alten Militärgebäuden bei guter Planung umgesiedelt werden können, können wir unterstreichen. Für die empfindlichen Waldfledermäuse sieht das ganz anders aus. Derzeit liegen keine Detail-Planunterlagen vor. Aber allein der Bau der Mauer und der Gebäude würde enorme Erdbewegungen verursachen; der Hinweis auf möglichst schonende Bauzeiten reicht hier keineswegs aus. Ein umfangreiches Bauvorhaben inmitten der Fledermauswälder wird schwere Beeinträchtigungen für die empfindlichen Arten nach sich ziehen; auch darin stimmen Gutachter und NABU überein. Dass solche Beeinträchtigung kurzfristig mit Umsiedlungsmaßnahmen und Ersatzquartieren zu bewältigen sind, hält der NABU für falsch. „Das würde viele Jahre dauern. Einen raschen Forensikbau und gleichzeitig eine Bewahrung der Wald-Fledermäuse wird es nicht geben können!“ so Michael Gerhard vom NABU.

ehemalige Wartungshallen
ehemalige Wartungshallen

Der am 06.02. tagende Umweltausschuss des Kreises soll über die Unterschutzstellung über den Landschaftsplan `Wiehltalsperre´ beraten. Der NABU hatte gemeinsam mit dem BUND die Ausweisung der Fledermaus-Laubwälder als Naturschutzgebiet beantragt. Die versiegelten Flächen dazwischen halten wir jedoch nicht für Naturschutz-würdig. Der Kreis-Umweltausschuss sollte eine ehrliche und sachorientierte Entscheidung über diese „Betonflächen“ fassen, im Gegenzug aber die wirklich wertvollen Laubwälder auch strikt schützen – z.B. mit einem Verbot der forstlichen Nutzung, damit die Höhlenbäume erhalten bleiben. Statt die „Betonflächen“ als Naturschutzgebiet zu sichern, sollte der Kreis diese Bereiche im Landschaftsplan mit einem für alle Behörden verbindlichen Entwicklungsziel für die Landschaft belegen (§ 18 und 33 Landschaftsgesetz NRW). Die Naturschutzverbände hatten schon in ihrer Stellungnahme zum Landschaftsplan vom 20.9.2013 als Entwicklungsziel vorgeschlagen: „Entwicklung von standortheimischen Laubwaldflächen mit eingestreuten Kleingewässern auf ehemals militärisch genutzten Flächen“. Damit wäre zukünftig eine Renaturierung der Betonflächen behördenverbindlich ins Auge gefasst. „Und das würde eine schädliche Nutzung der Flächen zwischen den Fledermaus-Laubwäldern besser ausschliessen, als ein fragliches NSG.“ erläutert Uwe Hoffmann von der Geschäftsstelle des NABU – Oberberg. Fazit: Das Fledermausgutachten hat die ökologische Bedeutung der Laubwälder bestätigt und weist auf die Probleme einer Bebauung hin. Das hatten wir erwartet. Dass diese Beeinträchtigungen für die Wald-Fledermäuse mit neuen Nistkästen umgangen werden können, glauben wir nicht. Schon angesichts der jahrelangen Bauarbeiten bleibt der NABU dabei: Eine Bebauung der Betonfläche und deren Nutzung – egal wofür – ist mit dem Schutz der Fledermäuse nicht vereinbar!

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