Kyrill – Bilanz nach 5 Jahren

Die Opfer von Kyrill waren fast ausschließlich Fichten. Wieso werden dann wieder neue Fichten gepflanzt?
Die Opfer von Kyrill waren fast ausschließlich Fichten. Wieso werden dann wieder neue Fichten gepflanzt?

Viele Waldbauern und auch manche Landwirte haben falsch gehandelt!

Kyrill hat vor 5 Jahren den Oberbergischen Wald durcheinander gewirbelt. Für den NABU Oberberg war damals klar: Die Zeit der Fichten ist vorbei!*

Viele Förster und Waldbauern haben das offenbar anders gesehen: „Uns liegen zwar keine Zahlen für Oberberg vor. Aber die Zahlen für ganz NRW sind erschreckend!“ sagt Tassilo Rau vom NABU Oberberg. Nach den Daten des NRW-Umweltministeriums wurden nur 36% der Aufforstungen auf Kyrill-Flächen mit Laubbäumen wie Eiche oder Buche bepflanzt, aber 64% mit Nadelbäumen! 36% wurden sogar wieder mit Fichte aufgeforstet!.
Wir glauben, dass es im Oberbergischen nicht so ganz anders ist. Viele Waldbauern haben wieder auf Nadelholz gesetzt, das im Kreis nun mal nicht heimisch ist. Das ist nicht nachhaltig und auch nicht schlau!“ meint Tassilo Rau.

Windwurf
Windwurf

Kyrill hat bei vielen Leuten das Bewusstsein geschaffen, dass der Klimawandel auch uns betreffen wird. Aber viele Waldbauern waren noch nicht so weit, sich von der Fichte zu lösen. Das wird sich rächen - in den nächsten Jahrzehnten! Der NABU geht davon aus, dass der Klimawandel der Fichte in den nächsten Jahrzehnten in jedem Fall den Garaus machen wird. „Das wussten auch alle. Wer dennoch Fichten angepflanzt hat, sollte nie wieder auf Staatshilfe setzen, wenn's beim nächsten Mal wieder schief geht! Es wussten ja auch alle, dass sich Orkane zukünftig häufen werden.“ so Michael Gerhard vom NABU Oberberg. Aus Sicht des NABU waren auch die Douglasien-Neu-Pflanzungen falsch, denn Nadelbäume sind zur Sturmzeit eben viel stärker gefährdet als Laubbäume. 

Nach 2007 wurden aber noch andere Sünden am Oberbergischen Wald begangen: Im Kreis wurden seit Kyrill über 30 ha Wald in landwirtschaftliche Nutzfläche - also in Maisäcker oder Fettwiesen - umgewandelt. Soviel wie fast 43 Fußballfelder! „Was das mit Nachhaltigkeit zu tun hat, müssen die Landwirte erklären – wir nennen das Waldfrevel!“ sagt Michael Gerhard vom NABU Oberberg.
Der NABU sieht jedenfalls keinen Grund die 5 Jahres-Bilanz nach Kyrill allzu rosig zu malen.

 

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Kommentare: 4
  • #1

    Gerhard Torkler (Donnerstag, 26 Januar 2012 15:51)

    Buche, Eiche, Fichte, Kiefer
    „Wald und Holz NRW“ präsentiert heimische Baumarten!
    Mit großformatigen Fotos und kurzen Sachinformationen stellt „Wald und Holz NRW“ in der neuen Posterreihe die vier Hauptbaumarten Nordrhein-Westfalens – Buche, Eiche, Fichte, Kiefer – vor.
    Quelle: http://www.wald-und-holz.nrw.de/

    Liegt der Kreis Oberberg nicht in NRW?

  • #2

    NABU Oberberg (Freitag, 27 Januar 2012 20:09)

    Fichte und Kiefer kämen natürlicherweise nicht im Oberbergischen vor. Auch in NRW kommt die Kiefer nur am Rand von Moorgebieten der Senne ganz kleinflächig natürlich vor. Die Fichte allenfalls in Einzelexemplaren auf Mooren in höchsten Lagen. Heimisch sind beide Arten in Oberberg jedenfall nicht. Vielleicht hat Wald u. Holz NRW eine andere Definition von "heimisch"?

  • #3

    Waldfreunde Siegtal (Montag, 30 Januar 2012 09:40)

    Liebe Leser,
    Tomate und Kartoffel kommen auch nicht in NRW vor. Die Fichte kann als Beimischung im Bergischen Land mit seinen bekanntermaßen hohen Niederschlägen gut wachsen. Sie bereichert die natürlichen Waldgesellschaften auf den passenden Standorten und erhöht die Artenvielfalt. Der Schwarzspecht zum Beispiel liebt sie.
    Was wir nicht brauchen: Fichtenreinbeständen, die auch noch schlecht durchforstet sind.
    Also: das Kind nicht mit dem Bade ausschütten.

  • #4

    NABU Oberberg (Montag, 30 Januar 2012 20:16)

    Liebe Waldfreunde Siegtal,
    nochmal: die Fichte ist dem Klimawandel schon wegen der steigenden Temperaturen nicht gewachsen - auch nicht in Oberberg, wenn man sich die leider zu erwartende klimatische Entwicklung vor Augen führt. Die Fichte ist vor allen Dingen aber auch nicht den zukünftig stärkeren und häufigeren Stürmen gewachsen. Jeder Waldbesitzer sollte sich also gut überlegen, welches Risiko er mit Fichten (oder Douglasien etc.) eingeht: auch im Mischbestand!

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