Fledermausschutz

Hilfsbedürftige Fledermaus (Foto: T.Rau)
Hilfsbedürftige Fledermaus (Foto: T.Rau)

Fledermäuse dagegen sind für viele Zeitgenossen immer noch seltsame, ja, mitunter unheimliche Geschöpfe, die lautlos durch die Nacht huschen, mit den Ohren „sehen“, den Händen fliegen und beim Schlafen mit dem Kopf nach unten hängen. Seltsam!?

Und dennoch, vielleicht sogar gerade dadurch haben die fliegenden Säugetiere seit den 1970er Jahren immer mehr Freunde in Deutschland gefunden. Naturschutzvereine und Fachleute schlugen Alarm, weil die Tiere zunehmend seltener wurden. Aufklärungsarbeit, wie z.B. die NAJU-Broschüre „Fledermäuse brauchen Freunde“, sorgte dafür, dass sich immer mehr Naturschutz- und Jugendgruppen mit der Biologie der Fledermäuse beschäftigten.

 

Fledermausforschung und –schutz im Oberbergischen Kreis

 

Bis in die 1960er Jahre interessierten sich bundesweit Tierfreunde vor allem für die Vogelwelt, sieht man einmal von wenigen Fledermausfachleuten ab. Vögel kann man ja mit etwas Geschick problemlos vom Küchenfenster aus oder bei Streifzügen durch Wald und Park beobachten. Ein Rotkehlchen gilt zum Beispiel allgemein als „niedlich“ oder „süß“. Fledermäuse dagegen sind für viele Zeitgenossen immer noch seltsame, ja, mitunter unheimliche Geschöpfe, die lautlos durch die Nacht huschen, mit den Ohren „sehen“, den Händen fliegen und beim Schlafen mit dem Kopf nach unten hängen. Seltsam!?


Und dennoch, vielleicht sogar gerade dadurch haben die fliegenden Säugetiere seit den 1970er Jahren immer mehr Freunde in Deutschland gefunden. Naturschutzvereine und Fachleute schlugen Alarm, weil die Tiere zunehmend seltener wurden. Aufklärungsarbeit, wie z.B. die NAJU-Broschüre „Fledermäuse brauchen Freunde“ (s.u.), sorgte dafür, dass sich immer mehr Naturschutz- und Jugendgruppen mit der Biologie der Fledermäuse beschäftigten.
Heute gibt es in jedem Bundesland zahlreiche Fledermausarbeitskreise und Einzelpersonen, die sich für ihren Schutz einsetzen. Sie alle wissen: Fledermäuse sind besser als ihr Ruf!

Zur Geschichte der Fledermausforschung und des Fledermausschutzes im Oberbergischen Kreis
Vorreiter im Natur- und Artenschutz waren meistens die Ornithologen. Die Vogelkunde war anfangs Schrittmacher des Naturschutzes, so auch im Oberbergischen. Bis Anfang der 1970er Jahre beschränkte sich der Oberbergische Naturschutz überwiegend auf die Vogelwelt bzw. auf einige traditionelle Naturschutzgebiete.
Einer der ersten Pioniere des Fledermausschutzes im Oberbergischen war der Morsbacher Christoph Buchen. Seit 1967 Vogelkundler und Anfang des Jahres 1974 Vertrauensmann für Vogelschutz der damals noch Staatlichen Vogelschutzwarte Essen-Bredeney wurde er um 1975 unmittelbar in seinem Heimatort mit dem Problem „Fledermausschutz“ konfrontiert. Damals galt es nämlich, einerseits die einzige noch bekannte Wochenstube der Mausohr-Fledermaus im Oberbergischen Kreis in der alten Morsbacher Volksschule zu bewahren. Andererseits arbeitete Christoph Buchen an der Heimatchronik für die Gemeinde Morsbach, und bei dem Kapitel „Bergbau“ stieß er bei seinen Recherchen vor Ort auf viele aufgelassene Bergbaustollen, die ideale Winterquartiere für die Fledermäuse darstellten.
Bei der Problematik des Schutzes von Mausohr-Wochenstube und Sicherung der Morsbacher Bergwerksstollen für Fledermäuse nahm er 1975 Kontakt mit dem bekannten Fledermausforscher Dr. Hubert Roer vom Zoologischen Forschungsinstitut und Museum Koenig in Bonn auf. Roer wurde quasi Buchens „Lehrmeister“, und auf mehreren Exkursionen in alte Stollen, Eisenbahntunnels und Wochenstuben entwickelte sich mit und mit neben der Vogelkunde sein Engagement für den Fledermausschutz.
Nach ersten eigenen vogelkundlichen Studien und Publikationen wurde Buchen immer öfters von Behörden um Stellungnahmen gebeten. Da reichten schließlich ornithologische Statements nicht mehr aus. So schrieb er sich auf die Fahne, nicht nur vogelkundliche Untersuchungen und Studien zu machen und zu publizieren, sondern sich auch mit der Tierklasse der Fledermäuse zu beschäftigen.
Die Fledermäuse wurden damals ab der zweiten Hälfte der 1970er Jahre auch im allgemeinen Natur- und Artenschutz „salonfähig“. Im Oberbergischen Kreis setzten sich ab 1977 noch weitere Naturkundler für den Fledermausschutz ein. Hier sind vor allem Joachim Tiedt aus
Gummersbach, Dr. Gero Karthaus aus Ründeroth, Franz-Georg Kolodzie aus Reichshof und Frank Herhaus aus Gummersbach zu nennen. Doch erst 1991 bildete sich ein lockerer Arbeitskreis „Fledermausschutz“ unter dem damaligen Oberbergischen Naturschutzbund (OBN), der jedoch bis heute nicht vereinsmäßig regelmäßig tagte, sondern sich dann zu Wort meldete, wenn es erforderlich war.
Seitdem ist im Oberbergischen Kreis in Sachen Fledermausforschung und –schutz viel passiert. Bis heute sind von der Sieg im Süden bis Radevormwald im Norden rund 120 unterirdische Fledermausquartiere in Stollen und Höhlen bekannt und überwiegend gesichert worden. Zudem wird ein großer Teil dieser Untertage-Quartiere jeden Winter auf Fledermausbesatz kontrolliert. Auch Baumquartiere und Fledermausquartiere in Gebäuden wurden kontrolliert und registriert und, falls möglich, gesichert. Im Laufe der Jahre wurden die Kenntnisse über die Fledermausfauna im Oberbergischen immer umfangreicher, auch Dank modernerer Technik, wie Bat-Detektoren und Horchboxen. Je mehr Informationen über die heimischen Fledermäuse bekannt wurden, desto besser konnten die Tiere geschützt werden. Erste positive Ergebnisse dazu sind aus dem Oberbergischen bereits veröffentlicht worden.
Prof. Walter Breuer aus Gummersbach, der seit vielen Jahren preisgünstige Nisthilfen, auch für Fledermäuse herstellt und anbringt, ist als ein weiterer aktiver Fledermausschützer zu nennen. Aber auch verschiedene OBN- und später NABU-Ortsvereine haben sich bis heute für den Schutz der Fledermäuse eingesetzt. In Morsbach hat sich 1992 eine NABU-Kindergruppe mit dem Namen „Die kleinen Fledermäuse“ gegründet. Die Kleinen beschäftigen sich bis heute bei ihren Gruppenstunden nicht nur mit Fledermäusen, sondern auch mit anderen Fassetten des Naturschutzes.
In jüngster Zeit ist mit Christine Meyer-Cords aus Nümbrecht eine weitere Fachfrau für Fledermäuse im Oberbergischen dazu gekommen. Die Biologin ist Mitarbeiterin von EUROBATS in Bonn, dem Sekretariat des Abkommens zur Erhaltung der europäischen Fledermauspopulationen. Sie hat u.a. die Untersuchung des Kömpeler Eisenbahntunnels bei Morsbach auf Fledermausbesatz und weitere Fledermaus-Untersuchungsprojekte initiiert.
Aufklärung- und Öffentlichkeitsarbeit sind wichtige Faktoren auch im Fledermausschutz. Unter diesem Aspekt entwarf Christoph Buchen aufgrund seiner Erkenntnisse über die Oberbergische Fledermausfauna eine spezielle Broschüre für junge interessierte NaturschützerInnen zum Thema Fledermausschutz. Der Entwurf fand sofort großen Anklang beim NABU/NAJU Bundesverband, und die gedruckte Broschüre mit dem Titel „Fledermäuse brauche Freunde“ fand ab Oktober 1995 reißende Nachfrage, und sie war nach nur wenigen Monaten ausverkauft. Es war die erste Broschüre im deutschsprachigen Raum (Deutschland, Schweiz, Österreich usw.), die sich in Sachen Fledermausschutz speziell an Kinder und Jugendliche richtete und die den Slogan „Fledermäuse brauchen Freunde“ prägte. Die Broschüre „made in Oberberg“ wurde sogar in England, Frankreich und anderen Nachbarländern besprochen und als positives Beispiel für Jugendarbeit in Deutschland vorgestellt, so dass die NAJU-Broschüre wahrscheinlich die erste Fledermausbroschüre in ganz Europa war, die für junge Leute konzipiert wurde. Im Sommer 2010 ist die sechste Auflage dieser Broschüre bei der NAJU in Berlin erschienen und dort zu beziehen.Fledermausforschung und –schutz im Oberbergischen Kreis vorgestellt, so dass die NAJU-Broschüre wahrscheinlich die erste Fledermausbroschüre in ganz Europa war, die für junge Leute konzipiert wurde. Im Sommer 2010 ist die sechste Auflage dieser Broschüre bei der NAJU in Berlin erschienen und dort zu beziehen.

 

Broschüre "Fledermäuse brauchen Freunde"
Broschüre "Fledermäuse brauchen Freunde"

Fledermausbroschüre für EinsteigerInnen neu erschienen
Pionier und Bestseller zugleich im Fledermausschutz

Sie sind vom Aussterben bedroht und hatten lange Zeit, unberechtigter Weise, einen schlechten Ruf. Seit den 1970er und 1980er Jahren fanden sie jedoch immer größeres Interesse. Heute setzen sich zahlreiche Naturschutzgruppen und Einzelpersonen in der Bundesrepublik Deutschland für ihren Schutz ein. Die Rede ist von Fledermäusen, jenen einzigen fliegenden Säugetieren, die mit den Ohren „sehen“ und den Händen „fliegen“. 

Das neue Naturschutzinteresse macht auch nicht vor Schülern und Jugendlichen halt. Daher gibt jetzt die Naturschutzjugend im Naturschutzbund Deutschland (NABU) eine komplett überarbeitete Neuauflage der 20seitigen Broschüre mit dem Titel „Fledermäuse brauchen Freunde“ heraus. Autor ist Fledermauskundler Christoph Buchen aus dem Oberbergischen Morsbach. 
Die Schrift enthält rund 50 Fotos und Abbildungen und geht auf die Biologie, Ökologie, Gefährdung und den Schutz der Tiere ein. Großen Wert legt die Broschüre auf eine praktische Fledermausschutzarbeit. Schülern wird nahe gelegt, wie man Fledermausvorkommen ermitteln kann, und mehrere „Aktionstipps“ demonstrieren, wie auch junge Menschen den selten gewordenen Tieren helfen und sie schützen können.
Fledermaus-Steckbriefe, Erste-Hilfe-Maßnahmen für aufgefundene Fledermäuse, ein umfangreiches Literatur- und Linkverzeichnis sowie wichtige Anschriften aus dem gesamten Bundesgebiet runden die Broschüre ab. Die Farbbroschüre kann bezogen werden über die Bundesgeschäftsstelle der Naturschutzjugend (NAJU), Charitestr. 3, 10117 Berlin, Tel. 030/2849841900, Fax. 030/2849842900, Email: naju@naju.dewww.naju.de.
Der Autor, Christoph Buchen aus Morsbach, ist Mitglied im Naturschutzbund Deutschland (NABU), in mehreren Fledermaus-Arbeitskreisen und seit über 35 Jahren Vertrauensmann für Vogel- und Artenschutz im Oberbergischen Kreis.


Zur Geschichte der Broschüre: 
Vorreiter im Natur- und Artenschutz waren die Ornithologen. Die Vogelkunde war jahrzehntelang Schrittmacher des Naturschutzes. Auch der Autor Christoph Buchen ist seit 1968 Ornithologe. Nach den ersten eigenen vogelkundlichen Studien und Publikationen wurde er immer öfter von Behörden um Stellungnahmen gebeten. Da reichten später ornithologische Kenntnisse nicht mehr aus. So schrieb er sich auf die Fahne, nicht nur vogelkundliche Untersuchungen und Studien durchzuführen und zu publizieren, sondern sich auch mit anderen Tierklassen zu beschäftigen. So hat Christoph Buchen schon sehr früh in den 1970er Jahren damit begonnen, sich für den Schutz einer seltenen und damals noch „verrufenen“ Tiergruppe einzusetzen, den Fledermäusen. So mit und mit wurden die Fledermäuse dann auch im allgemeinen Natur- und Artenschutz der 1980er Jahre „salonfähig“.
Nachdem Anfang der 1990er Jahre die NAJU einige gute Broschüren für jugendliche EinsteigerInnen herausgegeben hatte, so z.B. eine interessante Broschüre zum Vogelschutz, kam Christoph Buchen 1994 die Idee, der NAJU eine Broschüre für EinsteigerInnen im Fledermausschutz vorzuschlagen. Diese Idee fiel bei der NAJU sofort auf fruchtbaren Boden und es kam die Antwort: Mach mal, das Bundesfamilien- und -jugendministerium unterstützt das Vorhaben finanziell.
Und so hat Christoph Buchen 1994/1995, nach einem Jahr Vorarbeit, eine spezielle Broschüre für junge interessierte NaturschützerInnen zum Thema Fledermausschutz entworfen. Und im Oktober 1995 lag dann das erste druckfrische Exemplar auf dem Tisch. Die Broschüre fand sofort reißende Nachfrage und sie war schon nach nur wenigen Monaten vergriffen.
Es war damals die erste Broschüre im deutschsprachigen Raum, die sich in Sachen Fledermausschutz speziell an Schüler und Jugendliche richtete. Sie wurde sogar in England, Frankreich und anderen Nachbarländern besprochen und als positives Beispiel für Jugendarbeit in Deutschland vorgestellt, so dass man sagen kann, dass diese NAJU-Broschüre die erste Fledermausbroschüre in ganz Europa war, die sich an jungendliche Naturinteressierte richtete. Sogar Fledermausfachzeitschriften wie "Myotis" und "Nyctalus" haben diese Pionier-Broschüre damals positiv besprochen und zu ihrer Verbreitung und Bekanntheit beigetragen.
Nach der ersten Auflage vom Oktober 1995 sind bis 2001 noch drei weitere Auflagen erschienen. Die Nachfrage nach dem Bestseller riss aber nicht ab, so dass jetzt eine komplett überarbeitete fünfte Neuauflage veröffentlicht wurde, wiederum gefördert durch das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Text:C. Buchen

 

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